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behindert

Ich poliere meine Brillengläser, die zerkratzt sind, denn meine Brille ist alt. Hässlich ist sie mittlerweile auch. Das dunkle Plastik ist grün geworden. Ich bin zu faul, um zum Optiker zu gehen. Falsch. Ich bin zu beschäftigt. Ich habe schlichtweg keine Zeit, denn ich sitze vor dem Computer und schreibe. Ich packe den Brillenbügel fester und poliere heftiger. Es macht "Klock", als meine halbe Brille auf dem Boden aufschlägt. Mir klappt die Kinnlade nach unten. Ich starre auf das halbe Teil in meiner Linken. Dann auf das Putztuch. Brille und Putztuch verschwimmen im Licht. Jetzt bekomme ich Panik. Es ist scheiße nichts zu sehen. Ich schaue auf den Bildschirm vor mir. Warum musste ich meine blöde Brille putzen? Der Bildschrim ist so grell. Die Welt im Computer und rundherum besteht plötzlich aus Flecken. Ich bin behindert. Behindert. Nicht beeinträchtigt, wie die Wortklauber sagen, die das Wort Behinderung nicht mehr aussprechen, weil sie meinen den Behinderten wäre geholfen, wenn sie plötzlich nur mehr beeinträchtigt wären. Ich kann gar nicht schreiben. Meine Augen hindern mich an der Arbeit am Computer. Also bin ich behindert und Punkt. Ich klebe meine Brille mit Superkleber, sodass aus den Hälften meiner Brille wieder eine Brille wird. Aus Angst, dass meine Sehhilfe erneut auseinanderfällt, verzichte ich darauf, meine Nasenwurzel dort zu reiben, wo die Brille liegt, wie ich das gerne tue, wenn ich denke. Jetzt fühle ich mich beeinträchtigt.