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Posts mit dem Label "Winter" werden angezeigt.

Glatteis

Hui, ist es glatt heute! Ich tripple über die Straße – Blick aufs Eis, Schwerpunkt vorne – und benutze den Arm als Balancierstange. Ein Auto kommt um die Kurve, dunkler Lack, rasantes Tempo. Ich spüre, wie mir das Adrenalin einschießt. Reflexartig tripple ich schneller, ich rudere mit dem Arm, das Auto zischt vorüber. Aufatmen. Alles gut gegangen auf dem Glatteis.

Die drei Zauberer

Es gibt sie, die Zauberer, nun weiß ich´s genau. Mächtige Zauberer sind es, die Siedlungen verwandeln. Und plötzlich ist aus dem Ort, der sich das ganze Jahr über an die Hügel drückt, eine Ansammlung von Bauklötzen geworden. Aus der Ferne blicke ich auf die Siedlung aus Blauklötzen. Bunt sind sie; zitronengelb und himmelblau, blütenrosa und mausfarbe. Auf jedem Klotz sitzt ein Hut in weiß. Weiß auf zitronengelb, weiß auf himmelblau. Der höchste sitzt auf einem Baustein, der hervorragt wie ein Kirchturm - und ja: überzeugt war ich bei jedem meiner Spaziergänge über die Felder im Sommer, dass dies der Kirchturm sei. Und heute stehe ich auf dem Feld und weiß, die Zauberer heißen Winter, Schnee und Eis.

Schschgrr

Der Hund entdeckte beim Spaziergang etwas, das ihm die Haare zu Berge stehen ließ. Ich trat neben ihn, um zu sehen was es war. Zu unseren Füßen fiel der Boden zum Fluss ab. Nur ein schmaler Pfad zwischen Holler und Dornen führte nach unten. Der Pfard war nicht breiter als die Schultern des Hundes. Hier sprang der Hund im Sommer täglich hinunter in die Gusen, lief am Ufer auf und ab, plantschte, hielt nach Fischen Ausschau und fing doch nie welche. Rief ich ihn, zog er sich mit allen Vieren mühsam den Hang hinauf; einem Zweibeiner wäre es unmöglich gewesen heraufzukommen. Genau bei dem Pfad standen wir heute. Unten lagen die Ränder der Gusen in eisiger Ruhe zugefroren. Aber in der Mitte! Da rauschte das Wasser vorwärts. Eisschollen trieben dahin, nicht größer als zwei Handflächen; sie drehten sich im Strudel, strebten weiter und rieben an den scharfen Kanten des Eises an den Ufern. Ein leises Schaben. Dann Stille. Und wieder: schschgrr, schschgrr. Zu viel für den Hund! Es entfuhr ihm...

einwintern

Die Menschen bereiten sich auf den Winter vor. Am Domplatz hüllen zwei Männer einen Oleander in ein grünes Tuch. Bis jetzt hat der Strauch vor dem Restaurant beim Dom gestanden. Nun schieben die Männer eine Sackrodel unter den Blumentopf und karren den Oleander ins Winterquartier.

Christkindlmarkt

Ende Oktober bauen sie den Christkindlmarkt auf. Vollbelaubt stehen noch die Platanen im Park. Aber sie bauen den Christkindlmarkt auf. Zuerst legen sie den Holzboden über die Wiese im Park. Dann kommen die LKW mit den Hütten gefahren. Ich schaue dem Stapler zu, wie er die Gabel unter die Hütte schiebt, sie aufspießt, hochhebt, zurückschiebt, umkehrt, balanciert, absenkt, auf den Holzboden platziert, zurechtrückt, die Gabel unter der Hütte hervorzieht. „Murano Glas“ steht auf einem Holzschild auf der Holzhütte, "Aus eigener Erzeugung“. Wie geht das? Glas aus Murano, der Glasbläserinsel Italiens, eigenerzeugt von einem Holzhüttenstandler des Linzer Christkindlmarkts? Lebt der übers Jahr am Meer, um sein geblasenes Glas im Advent bei uns zu verkaufen? Oder bläst er mit der Technik aus Murano zuhause in Linz oder Leonding oder Liebenau oder sonst wo? Man muss nicht alles glauben, aber schön wird sie doch sein, die Holzhüttenwelt am Christkindlmarkt.

Donautanz

Vor ein paar Tagen stieg ich in mein Auto, um das zu tun, was ich jede Woche mindestens einmal tun muss, um in unserer Zeit zu überleben: Essen einkaufen. Die Bundesstraße, über die ich fuhr, hatte man vor Jahren in den Auwald geschlagen. Es ging flott voran, doch dann lichtete sich der Wald und verschwand. Mein Auto und ich rasten ins Sonnenlicht. Ich kniff die Augen zusammen. Am liebsten hätte ich angehalten. Was für ein Zauber. Über der Donau tanzten Schwaden aus Dampf.

Weihnachtsmorgen

Am Weihnachtsmorgen ist der Schnee dahin. Kalte Luft strömt durch das offene Fenster und erfüllt das ganze Haus. In der Föhre zettert die Elster. Eine Taube gurrt dazu. Nach einer Weile Vogelgeplänker mach´ ich das Fenster wieder zu.

Auto und Schnee

Ich helfe meinem Auto aus seinem weißen Mantel. Ich werke mit dem Schneebesen. Tausend Flocken wirbeln auf, manche legen sich auf meinem roten Schal. Weiß wie Schnee. Rot wie Blut. Schwarz wie ein Morgen im Winter. Als mein Auto frei ist, schwitze ich.

Krippe

Irgendwie schon komisch. Halb verhüllt im Morgengrauen entdecke ich auf meinem Weg zur Arbeit die erste Weihnachtskrippe.

Schnee in Linz

Am Morgen liegt Linz im Schnee. Flugs bin ich in Weihnachtsstimmung. Ich wundere mich, wie schnell sich meine Meinung ändern kann, da reden sie im Radio vom Linzer Industrieschnee. Meine Weihnachtsstimmung ist passé.

Vierundzwanzigste

Ich sehe gar nichts. Also mache ich den Vorhang zu. Auf die Finsternis da draußen kann ich gut verzichten und das Vorhanggelb ist wenigstens freundlich. Traurig, heute ist der Vierundzwanzigste. In genau einem Monat schmück ich den Christbaum, singe Stille Nacht und esse Weihnachtsstollen. Ich sehne mich nach der Sonne. Dabei hatte ich gehofft, mich an den kommenden Winter zu gewöhnen.

Hund

Sie schießen und der Hund hat Angst. Die Rute eingezogen flitzt er vor mir her, schaut links, schaut rechts, rennt weiter. Manchmal wünsche ich mein Hund zu sein. Wer wird schon stundenlang gekrault? Heute bin ich lieber Mensch. Fröhliches Silvester und ein gutes Jahr 2011.

Christbaum

Ich weiß wer den Christbaum erfunden hat. Ein Wanderer war´s, der staunend stehen blieb bei einem nackten Strauch, behängt mit roten Vogelbeeren.

Festmahl

Er ist knorrig und tot und hoch wie ein Birnbaum. Darunter im Schnee aber liegen pausbackige Äpfel. Vögel zschilpen. Sie plustern ihre schwarzen Mäntel und stürtzen sich aufs winterliche Festmahl.