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Posts mit dem Label "Jahreszeit" werden angezeigt.

Glatteis

Hui, ist es glatt heute! Ich tripple über die Straße – Blick aufs Eis, Schwerpunkt vorne – und benutze den Arm als Balancierstange. Ein Auto kommt um die Kurve, dunkler Lack, rasantes Tempo. Ich spüre, wie mir das Adrenalin einschießt. Reflexartig tripple ich schneller, ich rudere mit dem Arm, das Auto zischt vorüber. Aufatmen. Alles gut gegangen auf dem Glatteis.

Sänger

Ein Sänger besuchte mich gestern im Garten. Er krallte sich an meiner Dachrinne fest und besang den Frühling. Herrlicher, männlicher Amselgesang.

Ein Gruß

Der Frühling grüßte mich heute Morgen. Der Weg im Park war noch gefroren, vorsichtig setzte ich meine Tritte, um nicht auszugleiten. Die Bäume standen still und schwarz zu beiden Seiten. Plötzlich durchbrach ein Ton die Winterstarre – ein Zwitschern, dann Getriller! Antwort kam von überall. Der Frühling grüßt, dachte ich, und balancierte weiter; die Vogelstimmen links und rechts flankierten als Begleiter.

Christkindlmarkt

Ende Oktober bauen sie den Christkindlmarkt auf. Vollbelaubt stehen noch die Platanen im Park. Aber sie bauen den Christkindlmarkt auf. Zuerst legen sie den Holzboden über die Wiese im Park. Dann kommen die LKW mit den Hütten gefahren. Ich schaue dem Stapler zu, wie er die Gabel unter die Hütte schiebt, sie aufspießt, hochhebt, zurückschiebt, umkehrt, balanciert, absenkt, auf den Holzboden platziert, zurechtrückt, die Gabel unter der Hütte hervorzieht. „Murano Glas“ steht auf einem Holzschild auf der Holzhütte, "Aus eigener Erzeugung“. Wie geht das? Glas aus Murano, der Glasbläserinsel Italiens, eigenerzeugt von einem Holzhüttenstandler des Linzer Christkindlmarkts? Lebt der übers Jahr am Meer, um sein geblasenes Glas im Advent bei uns zu verkaufen? Oder bläst er mit der Technik aus Murano zuhause in Linz oder Leonding oder Liebenau oder sonst wo? Man muss nicht alles glauben, aber schön wird sie doch sein, die Holzhüttenwelt am Christkindlmarkt.

Auto und Schnee

Ich helfe meinem Auto aus seinem weißen Mantel. Ich werke mit dem Schneebesen. Tausend Flocken wirbeln auf, manche legen sich auf meinem roten Schal. Weiß wie Schnee. Rot wie Blut. Schwarz wie ein Morgen im Winter. Als mein Auto frei ist, schwitze ich.

November an der Straße

Der Nebel drückt den Rauch zu Boden, der aus dem Schornstein quillt. Ich schnuppere in Eile, schon ist´s vergangen. Was bleibt ist der Geruch der Straße. Das Zischen luftdruckgebremster Sattelschlepper. Und die Krähe, die krächzend auf der roten Ampel thront.

Krippe

Irgendwie schon komisch. Halb verhüllt im Morgengrauen entdecke ich auf meinem Weg zur Arbeit die erste Weihnachtskrippe.

alte Damen

Warum friert alten Damen nicht in den Beinen, die unter Röcken immer nur in Strümpfen stecken? Ist es Eitelkeit? Oder gewöhnt man Kälte mit den Jahren wie ich umgekehrt die Wärme meiner Jeans?

Herbstkugel

Auf dem Gelände der Voest steht eine Kugel auf Stelzen aus Stahl. Die Kugel ist orange gestrichen und verglichen mit den anderen Gebäuden und Stahlkonstruktionen leuchtet die Kugel richtig grell. Jedesmal, wenn ich von der Autobahn komme, fällt sie mir auf. Jetzt leuchtet der Ahorn und ich denke an die Kugel aus Stahl.

verzaubert

Das Dunkel verzaubert. Nur von den Häusern an der Straße, kommt Licht. Licht, das in der Dunkelheit blind macht. Ich schaue weg von der Straße. So gehe ich vorwärts und sehe kaum, wo hin ich trete. Vor mir raschelt der Hund. Neben mir spüre ich die Feuchte, die aus dem Wald dringt und unter meine Haut. Plötzlich riecht es nach Nuss. Nicht nach Nussschnecken oder Nusskeksen. Es riecht nach Nusslaub, nach Suchen und Klauben im Gras, nach kalten Gummihandschuhen, ohne denen die Finger tagelang schwarz sind, weil die Schale der Nüsse im Herbst zu schwarzer Schmiere verfault. Der Hund zieht an der Leine. Ich rufe nach ihm. So gehen wir weiter im Dunkeln am Waldrand, bis mir ein neuer Geruch in die Nase steigt. Gärende Äpfel. Mir ist, als höre ich das Donnern der alten Presse, als schmecke ich den goldenen Saft, als sage meine Mutter: „Nicht zu viel Süßmost, Kind, hockst du morgen am Klo.“

Schotterstraße

Der nasse Kies unter meinen Stiefeln riecht modrig, nach Regen, nach Herbst. Ich ziehe den Reißverschluss der Jacke zu. Meine Hände vergraben sich in den Hosentaschen. Wenn ich beim Gehen die Augen schließe und die regennasse Schotterstraße ausblende, kommt mir der Sommer in den Sinn, als der Schotter nicht nach Straße und Herbst roch, sondern nach Freiheit am Baggersee.

Ochsenherz

Mein Hund liebt Äpfel. Greife ich nach einem, steht er da, wedelt und bettelt. Ich gebe ihm den Apfelputz. Auf meinem Balkon habe ich Tomatenstauden in Töpfen angeplanzt. Auf eine Tomate freue ich mich besonders. Sorte Ochsenherz. Zwei Monate lang schaue ich dem Riesending bereits beim Wachsen zu. Ich sitze beim Computer. Durch die offene Balkontür klingt ein Schmatzen und Seufzen. Ich stürze nach draußen. Mein Hund verschanzt sich unter dem Gartensessel. Er zieht die Lefzen zu einem Grinsen und verschlingt mein reifes Ochsenherz.

behäbig

Ich mag es gerne, wenn der Herbst kommt. Ich mag die Behäbigkeit, die er in den Alltag bringt. Wie heute, als ich zum Spaziergang am Morgen meine Jacke auspackte, die neu ist.

Wald

Mein Kopf schmerzt in der Mittagsglut, bevor ich in den Wald trete. Es ist angenehm kühl. Ich atme tief ein. Das Kopfweh ist schlagartig fort. Wie glitzern die Sonne durch das Blätterdach. Wie raschelt der Wind. Seufzend lass ich mich auf der Erde nieder, wo Ameisen trockene Blätter Huckepack tragen. Eine Amsel singt. Im Hochsommer ist der Wald der beste Aufenhaltsort.